Träume - Bilder unserer Zeit

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Hafturlaub - 8.8.1998

Eine Familie, Eltern, drei Kinder, Vater und Sohn auf Hafturlaub, Tochter auf Urlaub aus einer psychiatrischen Klinik, treffen sich in den Bergen vor einem fremden, an steilem Abhang gebauten Chalet, das auf der Bergseite einstöckig ist, sich auf der Talseite über mindestens vier Stockwerke erhebt. Auf einen schweigenden Blickwechsel hin betreten sie das Haus, um durch Sprung aus einem Fenster der Abhangseite gemeinsam Suizid zu begehen.

Während die rechtmäsigen Bewohner im Wohnzimmer oh du Fröhliche und Gabenbereitung spielen, dringen die "Gäste" unbemerkt ein, gehen an Wohnzimmer und Küche vorbei zu einem stubenartigen Raum an der Abhangseite, öffnen die Fenster und springen.
Der nichthaftbeurlaubte Sohn springt mit, überlebt aber, weil er sich in natürlichem Überlebensinstinkt am Abhang abgerollt hat. Grosser Schock seinerseits beim Anblick der Leichen seiner Familie.

Er rappelt sich auf, steigt den Hang hinauf, betritt das fremde Chalet ein zweites Mal, kommt wieder am weihnächtlichen Familienfest vorbei, springt ein zweites Mal, überlebt nochmals, es klappt einfach nicht, er ist zu athletisch, zu gut trainiert. Beschliesst, auf der übrigens sommerlich blühenden Bergwiese, von den Überresten seiner Familie umgeben, nochmals zu springen, diesmal kopfvoran, um sich den Nacken zu brechen, steigt den Abhang hinauf, betritt das Chalet ein drittes Mal, geht am weihnachtlichen Wohnzimmer vorbei zum Zimmer mit den geöffneten Fenstern, erblickt in einer der Fensterscheiben sein Spiegelbild, tauscht einen langen Blick mit ihm, zuckt die Schultern, lächelt, beschliesst, nein, dieser Sprung ist nicht nötig. Er muss nicht alles mitmachen. Es genügt, dem morbiden Familienverband entronnen zu sein.


 

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