Einen ehemaligen Mitstudenten an seinem Arbeitsplatz besucht. Die zweitgrösste Schweizer Bank, Abteilung Weihnachtsplätzchenbacken. Auf einem Fliessband kommt der ausgewallte Teig an einem guten Dutzend Leuten vorbei, von denen jeder ein Förmchen in der Hand hält, um es hie und da, mit viel Rücksicht auf andere Stecher und grosszügigen Zwischenräumen, so gut es geht in den vorbeilaufenden Teig stechen. "Das kann doch nicht sein", denke ich, "so viel Teigverschwendung!" Neinnein, beruhigt man meinen ungläubigen Blick, kein Grund zur Sorge, die Bank hat viel Geld, und dies ist eine Sonderaktion, die darf was kosten. Das liebevoll verpackte und mit einem Mäschchen mit Firmenlogo zugebundene Celophansäckchen à 4 Stück wird dann für 6.50 verkauft. "Könnte man auf 2.50 bis 3.- senken", denke ich, "man müsste eine Ausstechmaschine einbauen", ich stelle mit einen Zylinder vor, der direkt hinter der Walze installiert ist, die Förmchen samt minimiertem Abstand bereits fix eingebaut hat, vom Teigband angetrieben wird und mittels eines leichten Gewichtes in den Teig gedrückt wird. "Kostet zwar ein paar Stellen, nutzt aber dem Produkt und dem Firmenruf." Werde die Idee wohl so rasch wie möglich dem Management eingeben.
Ich schaue mich um, erkenne die meisten der Fliessbandarbeiter aus Studienzeiten wieder, sie lächeln mich müde an, als wäre ich ein Stellenbewerber, "einer mehr" höre ich sie denken; jemand stellt die Maschine ab, für eine Rauchpause, wo man mir erklärt, dass dies die einzigen Stellen seien, die es für Geisteswissenschaftler halt so gäbe. Doch sie seien zufrieden, es sei eine nette und gemütliche Atmosphäre. "Vielleicht nicht mehr lange", denke ich mit einem Seitengedanken auf meine Stechwalze, und "eigentlich schade, dieses nette kleine Paradieschen zu zerstören."
Akademikerflut. Und: nächste Woche Controller-Kurs.